Plädoyer für den Maulkorb

Manchmal kann es auch ganz gut sein, etwas auf’s Maul zu bekommen!

 

DENN:

 

Sowohl in Griechenland, dem Herkunftsland der Schützlinge der Tierhilfe Finikounda, als auch in den Ländern, in die sie nach ihrer Adoption umziehen, lauert immer wieder Gefahr. In Griechenland geht diese hauptsächlich von mit Pestiziden vergifteten Ködern aus. Im Norden Europas sind in Köder versteckte Rasierklingen/Nägel/Glasscherben verbreiteter. Daneben frisst Ihr Hund vielleicht noch andere Dinge, die er nicht fressen sollte…

 

Die beste Methode, das Aufnehmen eines Giftköders zu vermeiden, ist sicher das Anti-Giftköder-Training, bei dem der Hund lernt, nichts vom Boden aufzunehmen, ohne es vorher seinem Halter anzuzeigen. Allerdings: es gibt auch Momente beim Freilauf, in denen Hund und Halter zeitweise den Blickkontakt verlieren. Verhält der Hund sich auch dann richtig? Und möchte man das riskieren?

 

So oder so ist es eine gute Sache, seinen Hund mit dem Tragen eines Maulkorbes vertraut zu machen, denn auch beim Arzt, in öffentlichen Verkehrsmitteln, beim Urlaub im Ausland kann es manchmal nötig sein, dass der Hund einen Maulkorb trägt. Ist es dann nicht besser, wenn er damit schon vertraut ist als wenn er ihm plötzlich und unvermutet, gar noch mit Gewalt, übergestülpt wird, weil es in dem Moment gerade dringend sein muss? Im schlimmsten Fall passt der Korb dann noch nicht einmal richtig, weil vorher nicht anprobiert worden ist! Eine traumatische Erfahrung für den Hund, der seinem Halter danach vermutlich etwas weniger vertrauen wird…

 

Maulkorb tragen ist nichts Schlimmes (unsere Brille auf der Nase ist doch auch nicht schlimm?)! Wenn man seinen Hund richtig daran heranführt, wird er den Korb entspannt und ohne Angst tragen, im besten Falle mit etwas Positivem wie Leckerlies, Spiel oder Freilauf verknüpft haben. Daher sollte man in einem ruhigen und entspannten Moment mit dem Training anfangen; das unten stehende Video zeigt Ihnen eine gute Vorgehensweise hierzu. Gute Leckerlies und – wenn Ihr Hund bereits mit dem Klickern vertraut ist – ein Klicker helfen dabei!

 

Wichtig ist dabei natürlich auch Ihre richtige innerliche Haltung, denn so wie Sie über den Maulkorb denken, so wird sich Ihr Hund mit ihm fühlen! Angenehmer wird es für Sie und für den Hund, wenn im Vorfeld ein richtig passender und bequemer Maulkorb ausgesucht wurde.

 

Ganz wichtig ist, dass der Hund das Maul im Korb soweit öffnen kann, dass er ungehindert hecheln kann. Auch trinken mit dem Maulkorb sollte möglich sein. Idealerweise gibt es eine Polsterung auf dem Nasenrücken. Leicht sollte er auch sein. Es gibt viele Modelle auf dem Markt; eine Suche im Internet wird Ihnen viele Auswahlmöglichkeiten zeigen.

 

Damit nicht jeder, der Ihnen und Ihrem bemaulkorbten Hund begegnet, ängstlich die Straßenseite wechselt, bieten sich bunte Maulkörbe, wie Selini sie in den Fotos trägt, an; sie lassen den Hund weniger gefährlich aussehen als die üblichen Draht- oder schwarzen oder braunen Plastikkörbe.

 

Achten Sie auch auf die Verschlussart (Klickverschluss oder Dornschnalle). Nicht jeder Hund toleriert das Geräusch beim Schließen des Klickverschlusses in seinem Nacken…Eine Dornschnalle dauert vielleicht eine Sekunde länger beim Verschließen, ist aber sicherer und vor allem geräuscharm.

 

Unser Modell Selini, ein ehemaliger Schützling der Tierhilfe Finikounda und noch stets dort wohnhaft, trug ihren Korb bereits nach wenigen Tagen Üben problemlos. Danach wurde der Schwierigkeitsgrad sehr langsam erhöht: den Maulkorb in Kombination mit dem Rucksack tragen; den Maulkorb in Gesellschaft von anderen Hunden tragen; mit dem Maulkorb ruhen oder Streicheleinheiten genießen. Alle diese Schritte verliefen problemlos, weil Selini gleich zu Beginn vermittelt worden ist, dass der Korb etwas Positives ist (er war das Signal für Freilauf und Toben).

 

Ihre Körperhaltung hat sich dann auch gar nicht verändert. Der Kopf und die Rute werden so hoch wie immer getragen. Allerdings konnte etwas mehr Nähe zu ihrem Menschen auf Freilaufspaziergängen festgestellt werden – was in diesem konkreten Fall etwas sehr Positives ist ;)

Sie apportiert den Korb genau wie jeden anderen Gegenstand auch; er ist ihr ganz sicher nicht verhasst!

 

(Beim Interagieren mit anderen Hunden sollte der Korb aber besser abgenommen werden, da er ein Hindernis in der Kommunikation der Hunde untereinander darstellen kann.)

 

Also:

 

Ganz abgesehen davon, dass der Maulkorb vielleicht einmal das Leben Ihres Hundes retten könnte: das Üben dieser neuen Fähigkeit Ihres Hundes bietet eine vorzügliche Gelegenheit, Sie und Ihren Hund zu einem noch besseren Team zusammenzuschweißen! Probieren Sie es!

 

Und für den Fall, dass Ihr Hund doch einmal einen mit Pestizid präparierten Köder aufgenommen hat, sollten Sie zuvor auch unsere  Seite zum Thema GIFT gelesen haben!