Sie haben einen Hund adoptiert - und was nun?

Zuerst möchten wir uns ganz herzlich bei Ihnen bedanken, dass Sie einem unserer Schützlinge ein neues Zuhause bieten!

 

Damit Ihr gemeinsamer Weg harmonisch verläuft, möchten wir Ihnen einige Informationen und Tips an die Hand geben.

 

Als neue Hundehalter haben Sie selbstverständlich alle uns bekannten Informationen über das Tier erhalten. Oft wissen aber auch wir nicht viel über das bisherige Leben des Schützlings. Jeder der Hunde der Tierhilfe Finikounda hat seine individuelle (Leidens-)Geschichte hinter sich. Dies kann sich auf vielfältige Art und Weise auswirken. Es ist davon auszugehen, dass ihr Hund anfänglich psychisch und physisch angeschlagen sein kann und er dementsprechend fachkundig betreut oder behandelt werden muss.

 

Der Einzug in sein endgültiges Zuhause ist für den Hund, aber auch für Sie sehr aufregend. Der Vierbeiner braucht Ruhe, Geduld, Zuwendung und Zeit, um sich an die neue Situation zu gewöhnen. Lassen Sie ihn ausgiebig sein neues Heim inspizieren und bieten Sie ihm genügend Rückzugsmöglichkeiten zum Entspannen. Gönnen Sie sich und Ihrem neuen Familienmitglied eine ruhige Eingewöhnungsphase.

 

Wenn Ihr Hund vorher in einer Pflegestelle in Deutschland untergebracht war oder in Griechenland bereits mit ihm gearbeitet wurde, dann kennt er mittlerweile das Leben im Haus, beherrscht die ersten Kommandos und ist vermutlich auch schon stubenrein. Die Pflegestelle wird Sie über alle Informationen und Erfahrungen mit dem Schützling unterrichtet haben. Trotzdem sollten Sie im Umgang mit ihm immer seine Vorgeschichte im Kopf behalten und ihn nicht überfordern. Vieles ist immer noch neu für ihn und auch die Erziehung braucht seine Zeit. Hier ist viel Arbeit und Geduld angesagt. Über positive Bestärkung klappt es sicherlich am schnellsten. Ein Hund kann immer nur so gut sein wie der Mensch ihm Anleitung dazu gibt. Sowohl unsere Pflegestellen als auch die Ansprechpartner stehen Ihnen gerne unterstützend zur Seite.

 

Wenn Sie bereits Hunde haben, gehen Sie erst mal alle gemeinsam eine kleine Kennenlernrunde auf neutralem Boden, außerhalb des Gebietes, welches Ihr vorhandener Hund als seines beansprucht, bevor es dann in die Wohnung geht.

 

Übernehmen Sie Ihren Hund direkt aus dem Ausland dann müssen Sie noch weitere Dinge beachten:

 

Nehmen Sie Ihren Schützling an der Grenze oder durch eine Transportkette in Empfang, denken Sie bitte an Leine, Geschirr/Halsband, ein paar Leckerlies (nicht zu viele, da der Hundemagen bei Stress sehr empfindlich reagiert) sowie einen Wassernapf und Wasser.

 

Lassen Sie den Hund erst einmal in Ruhe an sich schnuppern und bedrängen Sie ihn nicht. Er hat jetzt viel hinter sich, alles ist aufregend, neu und anstrengend. Bedenken Sie auch, dass die Sprache für ihn vollkommen fremd ist. Achten Sie darauf, dass Sie den Hund am und im Auto genügend absichern, damit er Ihnen beim Öffnen des Fahrzeugs (oder Verstauen von Unterlagen) nicht entschwindet.

 

Die wenigsten Hunde haben in ihrem bisherigen Leben eine gute Erziehung genossen oder kennen das Leben im Haus. Markieren, nicht stubenrein sein, das Klauen von Essen usw. sind daher oft selbstverständlich für sie. Der Hund weiß nicht, dass ein anderes Verhalten von ihm erwartet wird und muss dies erst noch lernen. Helfen Sie ihm, indem Sie ihn gut beobachten, um so rechtzeitig zu merken wann er z.B. sein Geschäft erledigen will. Auch das Alleinsein muss er vermutlich noch lernen.

Geben Sie dem Neuankömmling anfänglich oft die Möglichkeit, sich draußen zu lösen und loben sie ihn jedes Mal, wenn es klappt. So wird er schnell stubenrein und kann sich dann an feste Zeiten gewöhnen.

 

Bei Rüden kommt es häufig vor, dass sie anfänglich in der Wohnung markieren oder dass sie vor lauter Stress aufreiten. Das Markieren ist bei konsequenter Beobachtung und Handlung nach einigen Tagen vorbei (macht er den Anschein zu markieren, ermahnen Sie ihn mündlich und bringen Sie ihn dann an eine Stelle, an der das Markieren erlaubt ist). Das Aufreiten hat bei den Pflegehunden nichts mit Dominanz zu tun. Für Rüden ist das Aufreiten oft die einzige Möglichkeit Stress abzubauen und da viele in den ersten Tagen in ihrem neuen Zuhause auch sehr gestresst und unsicher sind, nutzen sie diese Geste um sich Linderung zu verschaffen. Sagen Sie ihm "Nein" (oder ein anderes Kommando, das sie verwenden möchten), lösen ihn von sich und bieten ihm eine Ersatzhandlung an (z.B. sich hinzulegen). Achtung! Wenn Sie selbst jedoch aggressiv und laut auf das unerwünschte Verhalten des Rüden reagieren, versetzen Sie den Hund wieder in Stress und eröffnen somit einen Teufelskreis.

 

Vermeiden Sie zu Beginn ausgedehnte Spaziergänge. Oft sind die Hunde aufgrund von Kettenhaltung schlecht bemuskelt und bekommen so schnell Muskelkater. Jeder von uns weiß wie unangenehm das sein kann, also steigern Sie die Ausdauer stetig. Schon bald entwickelt Ihr Hund genügend Muskulatur und verfügt über genügend Kondition, um auch richtige Wanderungen mit Ihnen zu genießen.

Gehen Sie zu Beginn bevorzugt mit einer kürzeren Leine, damit der Hund lernt, in Ihrer Nähe zu laufen, denn SIE sind sein neuer Rudelführer – eine Bindung muss aber erst aufgebaut und erarbeitet werden! Im ersten Monat sollten Sie den Hund keinesfalls ableinen und auch danach nur, wenn Sie an einer langen Schleppleine zuvor testen konnten, ob der Hund auf Kommando zu Ihnen zurückkehrt.

 

Bitte stellen Sie die Ernährung des neuen Hundes schrittweise um, da Magen und Darm hochwertiges Futter nicht auf Anhieb verdauen können und so Durchfall und Magenkrämpfe begünstigt werden. Informieren Sie sich bei uns, welches Futter der Hund hier in Griechenland erhalten hat. Leichte Kost wie gekochte Nudeln und Huhn helfen bei der Umstellung. Reis ist nicht zu empfehlen, da dieser zusätzlich den Körper entwässert. Teilweise ist die anfängliche Futteraufnahme oder Futterverwertung durch Stress oder durch Unbekanntheit des Futters gestört. Wenn Ihr Hund vorher in einer Pflegestelle untergebracht war, sollten sie vorerst das Futter weiter geben, welches er dort gefressen hat. Nach und nach können Sie den Hund dann auf die Ernährung umstellen, die Ihnen zusagt.

 

Fellpflege mit einer weichen Noppenbürste aus Gummi fördert die Bindung. Nutzen Sie hierfür entspannte Situationen; die Fellpflege ist so stressfrei und der Hund erhält eine sanfte Massage.

 

Bitte stellen Sie Ihren Hund innerhalb der ersten Woche dem Tierarzt vor. Lassen Sie den Impfpass kontrollieren sowie den Allgemeinzustand überprüfen.

Klären Sie den behandelnden Tierarzt so weit wie möglich über Herkunft und Vorgeschichte Ihres Schützlings auf, dies erleichtert im Falle von gesundheitlichen Problemen die Diagnosestellung. Welche weiteren Maßnahmen (z.B. Mittelmeercheck, Kotprobe, großes Blutbild, Röntgen) Sie zur Gesundheitskontrolle Ihres Hundes durchführen lassen, obliegt Ihrem Ermessen und den Ratschlägen der Tierärzte. Eine Wiederholung des Tests auf Mittelmeerkrankheiten nach einem Jahr ist sicher angebracht. Die Tierhilfe Finikounda sowie Ihr behandelnder Tierarzt werden Ihnen gerne beratend zur Seite stehen.

 

Und noch eine Sache, die uns am Herzen liegt: falls Ihr Hund doch einmal verloren gehen sollte, ist es wichtig, dass er zu Ihnen zurückgeführt werden kann. Dies geht am leichtesten, wenn er bei TASSO registriert ist. Sie bekommen von TASSO kostenlos eine Marke fürs Halsband zugeschickt, die Sie Ihren Hund unbedingt tragen lassen sollten!

 

Und zu Abschluss noch eine Bitte von uns an Sie:

 

Wir würden uns freuen wenn Sie uns ab und an kleine Berichte über Ihr Leben mit Ihrem neuen Familienmitglied zukommen lassen könnten und auch über Fotos freuen wir uns sehr. Mit Ihrem Einverständnis veröffentlichen wir auch ein Foto in der Kategorie „Zuhause gefunden“.

 

 

 

 

 

Auf der Hompage der Organisation Vizsla in Not sahen wir einen ausführlichen Text  zum Thema, der uns sehr gut gefiel - besser hätten wir es nicht sagen können! Wir danken für die Erlaubnis, den Text nach kleinen, auf die Tierhilfe Finikounda zugeschnittenen Änderungen, übernehmen zu dürfen :)