Miezen suchen ein Zuhause

VINCENT (Vinci), Finikounda, GR

November 2017

 

Anfang Oktober wurde Vincent (Vinci, wie wir ihn derzeit noch nennen) von uns zum ersten Mal gesehen. Am direkt an der Schnellstraße gelegenen Müllcontainerplatz von Finikounda presste er sich, ganz offensichtlich gehbehindert, durch den Maschendrahtzaun, um sich dann vor unserer Mitarbeiterin, die dort mit ihren zwei Hunden vorbeikam, aufzubauen! Dabei machte Vinci furchtlos erst einen halben Meter vor den Hunden halt und setzte sich dann hin, die rechte, schwarz verfaulte Vorderpfote zitternd in der Luft…

 

Danach kamen wir mehrfach mit einer Box zum Müllplatz um Vinci abzuholen; erst beim dritten Mal war er dann auch wieder da und ließ sich locken und widerstandslos in die Box setzen. Vinci war zu dem Zeitpunkt ca. 10 Wochen alt. Weil Wochenende war, musste mit dem Tierarztbesuch noch gewartet werden, aber die Pfote konnten wir schon mal reinigen – und entfernten zehn (!) Fliegenmaden aus dieser kleinen Babykatzenpfote! Der komplette Vorderteil der Pfote war weg, die Knochen der Zehen lagen bloß…

 

Am Montag ging es direkt zum Tierarzt, der erstaunlicherweise in der Lage war, die Pfote so zu erhalten, dass sie auch wie eine Pfote aussieht, nur schmaler! Er vereinte bei dem chirurgischen Eingriff die zwei äußeren Zehen so, dass Vinci jetzt eine zweizehige Pfote hat; der Hauptfußballen konnte erhalten werden.

Die Röntgenaufnahme zeigte, dass auch Vincis Becken etwas abbekommen hatte. Dies sollte sich aber von selbst verwachsen; eine OP war hier nicht gerechtfertigt.

 

Lange musste Vinci danach die Pfote in einem Verband tragen, überstand aber diese Zeit sehr tapfer. Schwieriger war es für sein Pflegefrauchen, die den Verband alle naselang wechseln musste, weil Vinci mit der lahmen verbundenen Pfote in der Katzentoilette scharrte und zu dieser Zeit noch … Durchfall hatte…

Als weitere gesundheitliche Baustelle kam dann etwas später noch ein Herpes, der die Augen angegriffen hatte, hinzu. Dies befindet sich derzeit noch in Behandlung; viele Male am Tag bekommt Vinci Tropfen und Gels in die Augen und muss auch oral Medizin einnehmen.

 

Mittlerweile ist der Verband längst ab, das Fell nachgewachsen und Vinci ist gehörig flink unterwegs. Dabei belastet er das rechte Hinterbein nur begrenzt, während er die Vorderpfote, die operiert worden ist, zum Gehen überhaupt nicht nutzt, sondern sie ständig angezogen hochhält (dies sieht nach einer Lähmung des Nervus Radialis aus). Wenn er sie zum Laufen doch mal nutzt, dann setzt er sie auf dem Handgelenk auf. Beim Spielen oder Fangen setzt er die Pfote aber durchaus öfter ein.

 

Trotzdem ist ziemlich sicher: Vinci wird gehbehindert bleiben. Ihm eine Orthese anzupassen, ist hier in Griechenland leider nicht möglich. Hierdurch werden dann doch besondere Ansprüche an sein neues Zuhause gestellt. Aktuell wird er auf seiner Pflegestelle überhaupt nicht aus dem Haus gelassen, weil es draußen – auch wegen der viel befahrenen Straße – einfach zu gefährlich für ihn ist.

Optimalerweise sollte er also entweder in eine Innenhaltung mit gesichertem Außenbereich oder aber in ein Zuhause in einer überaus stillen Umgebung umziehen, damit seine Sicherheit gewährleistet ist.

 

Vinci wächst in seinem Pflegezuhause mit zwei katzenfreundlichen Hündinnen auf, von denen eine für ihn auch Kuschelersatz ist. Daneben nächtigt er gerne im Menschenbett und schmiegt sich dabei dicht an sein Pflegefrauchen, dem er die vielen Wochen der Behandlung mit diversen Medikamenten nicht übelnimmt.

 

Wir wissen, dass es kein leichtes Unterfangen ist, für Vinci, einen behinderten jungen Kater, ein Zuhause zu finden, aber wir möchten es nicht unversucht lassen!